Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief Oktober 2005

Inhalt:
   - Anmerkungen zu sozialen Ängsten



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Anmerkungen zu sozialen Ängsten

Nach dem letzten Rundbrief bekam ich einen Anruf vom Leiter einer Sozialphobie-Gruppe. Ich diskutierte mit ihm über die Inhalte dieses Rundbriefs, besonders über die Beschreibung des Volkshochschulkurses.
Seine Anmerkungen möchte ich als Diskussionsbeitrag in die öffentliche Runde geben.

Er sprach sich dagegen aus, Schüchternheit und Sozialphobie zu sehr als Problem darzustellen.
"Dann ziehen wir Sozialphobikern den Boden unter den Füßen weg" - zusätzlich zu den wirklichen und angenommenen Anforderungen der Gesellschaft bekommen sie noch ein weiteres zu hohes Ziel aufgebrummt.
Ich wies an der Stelle auf die positive Seite von Schüchternheit hin, wie sie auf der Vereinswebseite beschrieben wird.

Passend dazu plädierte er für einen weniger aggressiven, mehr akzeptierenden Umgang mit Ängsten anderer Leute. Eine Aussage wie "Angst ist Quatsch" kann von Leuten, die nicht von ihren Ängsten wegkommen, als Angriff verstanden werden.
Ein anderes Modell sieht er als Erfolg versprechender an: "Akzeptiere deine Angst zur Hälfte, dann kommt die andere Hälfte hinterher."

Ob dies jedoch mit der beschriebenen Autosuggestionsübung möglich ist, bezweifelte er:
"Wenn ich Hausbesuche mache bei Sozialphobikern, seh ich da öfter am Spiegel einen Zettel 'ich bin gut'."

Zu meiner Frage, wieso eine Diplom-Psychologin eine höhere Überzeugungskraft zu haben scheint, meinte er, "die hat nicht unsere Eigenschaften, die wir als negativ ansehen." Mit anderen Worten, sozial Ängstliche würden Nichtängstliche als bessere Menschen ansehen. (Was eigentlich nicht sein sollte!)

Einen interessanten Gedanken teilte er mir noch zum Wort "Selbstbewußtsein" mit: Wir hätten nicht zu wenig, sondern zu viel Selbstbewußtsein. Denn "wir sind uns selbst viel zu bewußt".
Julian / Braunschweig


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zuletzt am 12.10.2017 um 17 Uhr 33