Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief August 2009

Inhalt:
   - Kontaktwunsch
   - Internet-Statistik
   - VSSPS-Länderaufteilung
   - Soziale Angst und Aggression


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Online-Umfrage

Im Rahmen einer Studie zum Thema "Soziale Phobie" an der Universität Bielefeld werden Teilnehmer/-innen für einen Online-Fragebogen gesucht. Dabei interessieren nicht nur die Antworten derjenigen Teilnehmer mit sozialen Ängsten, sondern ebenfalls die Erfahrungen derer, die keine Schwierigkeiten in sozialen Situationen berichten.
Die Daten werden selbstverständlich anonym erfasst und ausgewertet, zudem erhält jeder Teilnehmer die Möglichkeit, an einer Verlosung von Amazon-Gutscheinen teilzunehmen.

Der Link zum Online-Fragebogen lautet:
http://ww3.unipark.de/uc/AE11_Klinische/a46d/

Mit freundlichen Grüßen, Benjamin Iffland & Lisa Sansen



Nachfrage nach Gruppendaten im Internet

Die folgende Tabelle zeigt, wie oft die Kontaktseiten der einzelnen Gruppen aufgerufen wurden, die bei schuechterne.org mit Kontaktdaten eingetragen sind.
Aufrufe der Einzelseiten von schuechterne.org werden automatisch nach Seiten und Tagen getrennt - und anonym - mitgezählt. Auch nicht erfaßt wird natürlich, warum die Seite angesehen wird - ob ein Gruppenmitglied nur den Nächste-Treffen-Kalender nachschlagen möchte oder ob sehr Ängstliche sich immer wieder sehnsuchtsvoll die Seite der Gruppe ansehen, zu der sie eigentlich schon längst hingehen wollten.

Auffällig sind große Unterschiede zwischen Städten mit ähnlicher Einwohnerzahl. Auch zwischen den Aufrufzahlen und den tatsächlichen Gruppengrößen besteht kein Zusammenhang.
Man sieht hier also nicht, wie groß der Bedarf nach einer Gruppe in einer Stadt ist - der dürfte überall bestehen. Die Zahlen zeigen eher, wie bekannt die Gruppe ist, wie breit gestreut die Öffentlichkeitsarbeit, und, wenn man die Tage einzeln auflistet, wann ein Zeitungsartikel über welche Gruppe erschienen ist.

GruppeApril-Julinur Juli
Braunschweig (Sch) 126 34
Braunschweig (SP) 94 26
Celle 96 23
Erfurt 14 0
Gifhorn (seit Juni online) 13 8
Göttingen 131 29
Goslar 39 13
Hannover * 126 43
Helmstedt 16 3
Hildesheim 71 19
Konstanz * 15 4
Magdeburg 74 15
Peine * 35 5
Stendal 46 6
Salzgitter 47 5
Uelzen 28 6
Wolfsburg 37 6
* = Gruppe hat auch eigene Webseite, diese wird nicht mitgezählt

Von den Infoseiten des intakt e.V. sind diese die meistbesuchten (je April-Juli):
"Du bist nicht allein" - der ausführliche Text (1511)
Wo&Wann-Gruppenübersicht (1487)
Die positive Seite (889)
Themensammlung (876)
Kontaktbörse (702)
Bilderzyklus (667)



VSSPS-Ländergliederung

Mit seinen Landesgeschäftsstellen hat der VSSPS nun diese regionale Ansprechpartner, die z.B. einen Überblick über und Kontakt mit Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen in ihrem Bereich anbieten:
Region Ansprechpartner Kontakt
Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen Jan vssps-nord.de vssps-thueringen-sachsen.de
Nordrhein-Westfalen Ansgar (VSSPS-Landesverband e.V.i.G.) vssps-nordrhein-westfalen.de
Bremen, Niedersachen, Sachsen-Anhalt Julian Kurzidim (intakt e.V.) vssps-niedersachsen-bremen.de vssps-sachsen-anhalt.de
Rheinland-Pfalz, Saarland Markus W. vssps-rheinland-pfalz.de
Bayern, Berlin, Brandenburg Marita vssps-bayern.de vssps-berlin-brandenburg.de
Baden-Württemberg, Hessen Johannes Peter Wolters vssps-hessen.de vssps-baden-wuerttemberg.de




Wahr oder falsch?

"Eine Mutter fuhr mit fünf Kindern im Auto. Weil diese zu laut waren, wurde sie abgelenkt und baute einen Unfall. Nur die Mutter überlebte." Ist diese Schilderung wahr oder falsch?



Soziale Ängste und Aggressivität

Schüchternheit hat positive Folgen, dann ist ja alles in Ordnung? Nicht ganz. Da ist ja auch was negatives, und da müssen wir ran. Darüber möchte ich heute meine Gedanken veröffentlichen.

Man denkt, Schüchterne wären leise, stumm, widerstandslos uns so. Aber sie können auch das genaue Gegenteil sein: ohne Vorwarnung überaggressiv und verletzend. Sie können wegen Kleinigkeiten beleidigt sein, rumzicken "wie ein Popstar im Hotel" und verdammt üble Beleidigungen raushauen. Und mit all dem sogar Hilfsangebote abwehren, attraktive Freizeittermine oder ähnliches. Manchmal kommt der harte Schlag auch nach der Streßsituation, wenn man es in dieser nicht geschafft hat, sein Unbehagen auszudrücken.
Hinterher ist die Beziehung langfristig zerstört, die Wiederannäherung schwierig, die eigene Überreaktion erscheint peinlich. Da schlägt die Angst vor anderen durch, vor der möglichen Gegenaktion. Dann sind wir doch wieder einsam, obwohl wir das eigentlich nicht sein wollten. Ich weiß, wovon ich schreibe: Als Vereins-vorsitzender bin ich oft damit konfrontiert - und oft genug habe ich mir selbst mit solchem Verhalten geschadet.

Warum ist das so? Warum machen wir solche Dinge, obwohl wir doch denken, eigentlich sollten wir gerade das nicht tun?

Dahinter steckt gewöhnlich ein verständliches "Nie wieder". Nie wieder Opfer sein: Wer an einem Punkt überreagiert, hat genau an diesem schlimme Erfahrungen gemacht - bei uns ist es die Hilflosigkeit, Unterlegenheit gegenüber Stärkeren.
Nun steht man in einer Situation, in der sich diese unmittelbar zu wiederholen scheint, und wieder fehlen einem die Mittel, es friedlich zu lösen. Schon scheint es naheliegend zu sein: Lieber einmal zu früh zuschlagen als noch einmal geschlagen werden.
Wie die Angst an sich ist auch Angstaggressivität ein normales Verhalten, die Natur hat sich dabei etwas gedacht: sich auch in schlimmen Situationen freikämpfen können. Wie die Angst an sich hilft es aber nur kurzfristig und schadet langfristig.

Was können wir selbst dagegen tun? Wir als Selbstbetroffene, wir als Angegriffene und wir als Helfer? Wie kriegen wir uns zur Umkehr? Wie kleben wir das "zerbrochene Porzellan"?

Selbstbetroffenen helfen natürlich Übungen, in der Gruppe, in den Seminaren, die der intakt e.V. veranstaltet und fördert. Lernen, sich angemessen zu verteidigen.
Nach akuten Vorfällen paßt eine der zwölf Regeln der Anonymen Alkoholiker. Sie lautet sinngemäß: "Wir entschuldigen uns bei unseren Mitmenschen für das, was wir ihnen unter Alkoholeinfluß angetan haben." Bei uns statt unter Alkohol- eben unter Angsteinfluß.
Ja, das ist verdammt schwer und unangenehm, aber das ist Anti-SP-Training sowieso.

Als Angegriffener habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, nach einem solchen Angriff trotzdem sachlich zu bleiben. Erstmal durchatmen, Abstand gewinnen, und wenn dann die üblen Worte nicht mehr schocken, ohne Gegenaggression die Antwort formulieren. Dem anderen die Möglichkeit geben, sich wieder zu beruhigen. Eine kurze Stellungnahme, ein Kompromißangebot reichen oft. Eine Rechtfertigung/Entschuldigung ist nur nötig, wenn man selbst einen Fehler gemacht hat.
Übrigens hilft man mit Gelassen-Bleiben auch und vor allem sich selbst: Ärger kostet Energie, brennt nach, lähmt die Lebensqualität. Eine schlimme Situation noch umdrehen zu können ist dagegen eine Fähigkeit, auf sie stolz zu sein berechtigt ist. Und "bieten lassen" hat man es sich trotzdem nicht.

Wer für sozial Ängstliche plant, erspart sich Streß mit einer voreingeplanten Schadensbegrenzung - d.h. wenn das Angebot flexibel gestaltet ist, verschoben, zum Einkaufspreis zurückgegeben oder anderweitig verwendet werden kann. Und damit Last-Minute-Streß damit nicht mehr die gesamte Veranstaltung gefährdet. An der Stelle wird eine unserer typischen Eigenschaften zum Vorteil: Mit dem Schlimmsten rechnen, es von Anfang an einplanen.
Wenn ich in meiner Wohnung mein Zazikibuffet anbiete1, achte ich immer darauf, daß erstens dieses nur aus Dingen besteht, die ich selbst gern esse, und zweitens innerhalb von 3 Tagen alles von mir gegessen werden kann, falls niemand kommt. Der Fall ist nicht schön, aber möglich. Ebenso kann z.B. Grillfleisch erst am Samstagnachmittag gekauft werden, wenn das Treffen schon begonnen hat und klar ist, wie viele Leute gekommen sind.
Bei Seminaren haben wir bessere Erfahrungen gemacht, wenn wir diese nicht selbst organisierten, sondern von der Volkshochschule durchführen ließen und einen Zuschuß dazu gaben.

Julian / Braunschweig



Wahr oder falsch - die Auflösung:

Unfälle geschehen leider täglich, daher ist ein Unfall mit 5 toten Kindern wahrscheinlich. Doch zum Unfallhergang sind mehrere zweifelnde Fragen angebracht: Wußte die Mutter nicht, wie laut 5 Kinder werden können? Waren im Auto sechs Gurte und/oder Kindersitze vorhanden? Wenn nicht, warum ist sie trotzdem losgefahren? Die Mutter wird also sehr schlecht dastehen. Und wer sonst kann berichten, wie sich die Kinder im Auto verhalten haben - wenn sie die Schuld auf diese schiebt, wird sie ihren Ruf vor sich und ihrer Umwelt nur noch schlimmer machen.
Man kann es also als unwahr abheften.

Vielmehr wird diese Horrorgeschichte schon sehr lange von Mutter zu Kind vererbt: Charles Dickens erzählte in "Pickwick Papers" (1836) von einem ähnlichen Unfall. hier wurde die Mutter enthauptet, als sie mit 5 Kindern auf einem Pferdewagen unter eine sehr tiefe Brücke fuhr, diese nicht gesehen hatte und mit dem Kopf dagegenstieß.


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zuletzt am 12.10.2017 um 17 Uhr 33