Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief Juni 2010

Inhalt:
   - Preisausschreiben
   - Warum soll ich verzichten?
   - Wahr oder falsch - mit Reaktion auf die letzte Folge
   - Zwei Fragen



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Preisausschreiben - "Schreibt uns euren Erfolg"

Als zusätzlichen Anreiz zur Selbsthilfe durch Schreiben setzt der intakt e.V. Preise für Texte aus, die - IHR - einreichen könnt.
Reicht einen Text ein, in dem ihr berichtet, wie ihr eure Angst überwunden habt. Z.B. von einer erfolgreich bestandenen Situation. Von euren Gefühlen, wie es beinahe scheiterte und ob/warum es doch noch geklappt habt. Oder wie ihr es bewältigt habt, falls es nicht geklappt hat.

Den drei Erstplatzierten winken Geldpreise. Wir sind aber sicher, daß fast(?) alle eingereichten Beiträge gut sind. Daher möchten wir sie auch in unser Buchprojekt einbeziehen.
Auch die Selbsthilfegruppe des Siegers erhält einen Geldbetrag, so daß alle profitieren.

Der Gesamt-Preiswert von 280 EUR wird wie folgt vergeben:
1.Platz: 100 EUR für Autor, 50 EUR für Gruppe
2.Platz: 50 EUR für Autor, 30 EUR für Gruppe
3.Platz: 30 EUR für Autor, 20 EUR für Gruppe

Das Preisausschreiben wird zu diesen Regeln durchgeführt:

Pro Teilnehmer darf nur ein Text eingereicht werden.
Die Teilnahme ist auch ohne Zugehörigkeit zu einer Selbsthilfegruppe möglich.
Der Selbsthilfegruppen-Anteil des Preises wird nur ausgezahlt, wenn die begünstigte Gruppe bereits bei der Einreichung des Textes angegeben wird.
Wer eigens für die Teilnahme eine Angstüber-windungsübung durchführt, tut das auf eigene Gefahr. Nötige Hilfe bei Planung, Durchführung und/oder Verarbeitung kann der intakt e.V. hierbei nicht geben, sucht sie in eurer Therapie oder eurer Gruppe.
Eingereichte Texte dürfen vom Verein nach Zustimmung des Einsenders veröffentlicht und/oder in sein Buchprojekt übernommen werden. (Genauere Infos zum Buchprojekt in den Rundbriefen 2/05 und 5/09, auch www.schuechterne.org/rundbrief.htm)
Die Verantwortung für die Einhaltung des Urheberrechts liegt beim Teilnehmer (soll heißen: Schreibt euren Text selbst)
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Von der Teilnahme ausgeschlossen sind:
- intakt-Vorstandsmitglieder
- alle, die an der Organisation des Preisausschreibens und/oder des intakt-Buchprojekts beteiligt sind.

Als Jury haben sich bereit erklärt:
Ingo Schulze, Tobias Oder, Julian Kurzidim

Die Texte müssen gesandt werden an Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Straße 27, 78465 Konstanz, oder preisausschreiben@schuechterne.org (Mails dorthin kommen auch bei Dennis an).
Er wird sie sammeln und nach Einsendeschluß ohne Namen- und Gruppenangabe an die Jury weiterleiten. die bis zum 1.10. die Preise vergeben wird. Die Jury erfährt erst nach der endgültigen Abgabe ihrer Bewertung die persönlichen Daten der Einsender.

Einsendeschluß: 15.8.2010 (Datum des Poststempels oder Mails ist gültig)

So, dann ist nur noch zu sagen:
VIEL ERFOLG!




Warum soll ich verzichten?

Wer wegen persönlicher Probleme in dieser Gesellschaft am Rand steht, hört oft den Ratschlag, man solle zufrieden sein mit dem, was man hat - oder gar, daß das auch schon ein Erfolg wäre. Der Ratschlag ist sehr zwiespältig und wirft neue Probleme auf. Ich möchte daher aus der Sicht eines davon Betroffenen solchen Verzicht begründen.

Eigentlich stimmt es ja, aber:
Man hört es "gern" von Leuten, die erreicht haben, was sie wollten und womit sie zufrieden sein können. Was wir auch gern hätten, wobei uns das Zuschauenmüssenen schwerfällt: Auto, Haus, Einkommen, Familie, Ansehen, nicht von fremden Leuten auf der Straße mit "Du" angesprochen zu werden.
Diese Menschen beklagen dabei auch oft die Nebenwirkungen ihres Wohlstands. Auch das ist berechtigt: Selbstverständlich treiben einen die Monatsraten fürs Auto an den Rand der Pleite.
Nur ob das ein Argument gegen das Auto ist? Scheinbar nicht. Niemand hält diese Leute davon ab, ihre Autos zu verkaufen, ihre gutbezahlten Bürojobs hinzuschmeißen und ab dann von 359 Euro (zuzüglich Miete) zu leben. Warum tun sie es trotzdem nicht?

Menschen, die "auch nicht alles haben", sind da überzeugender. Ich habe den Verzicht auch erst glauben können, als ich davon in der Gruppe hörte - von Menschen, bei denen ich wußte, daß sie auch zu oft scheitern.
Aber auch dann bestehen noch Möglichkeiten, Ratschläge zum "Zufriedensein in bescheidenen Verhältnissen" abzulehnen. Alles läßt sich schlechtreden, auch und besonders Unerreichbares - "wenn die Leute sich ein Auto leisten können, würden sie nicht so schlecht über eins reden." So klebt man doch an seinen unerreichbaren Wünschen fest.

Warum hängt man wirklich daran?

Wie weit verzichtet man mit seinem Ziel auch auf Dinge, die einem wichtig sind? Auf was verzichtet man wirklich? Was sind die Nebenwirkungen des Verzichtens?

Bei teuren Gegenständen ist es klar: man verzichtet auf den Eindruck auf andere. Das Gesetz des Stärkeren - ich benutze dafür meist den "Schulhof" als Beispiel - kennen wir alle.
Wer gelernt hat, daß man der Stärkste sein muß, wird nicht auf Stärke verzichten - und auf nichts, was stark macht oder stark erscheinen läßt. Dafür nimmt man dann Nachteile hin - die Monatsraten fürs Auto sind dann das kleinere Übel.
Ich selbst kann zwar auf vieles verzichten, aber eben nicht auf das Gefühl, doch der Stärkere zu sein.

So ergibt sich die Frage: Bekommt man die wirklich wichtigen Dinge auch auf andere Art? Kann man auf Unerreichbares verzichten und trotzdem das für sich Wichtige erreichen?

Was erhält man als Gegenwert fürs Verzichten?

Vielleicht bringt uns Janis Joplin da auf die Antwort: "Freedom is just another word for nothing left to lose" (Freiheit ist bloß ein anders Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben).
Das erinnert an die buddhistische Nirwana-Philosophie - daß einem nichts etwas anhaben kann. Das ist nicht so weltfremd wie es sich anhört, denn indirekt kann es sich doch auszahlen:
Als ich einmal innerhalb des Arbeitgebers den Arbeitsvertrag wechselte, hätten die Vertrags-bestimmungen dabei zugelassen, daß meine Überstunden verfallen - statt ausgezahlt zu werden. Daraufhin habe ich für mich ausgerechnet, um welche Summe es ging, und eine Liste gemacht, warum ich auf dieses Geld auch verzichten könnte. Natürlich hatte ich nicht vor, wirklich auf das Geld zu verzichten - es ging mir um etwas anderes: ich wollte bei der Verhandlung sachlich bleiben, keinen Schwachpunkt zeigen. Wenn mir der Verlust nicht wehtun würde, müßte ich in der Verhandlung nicht nervös werden. Auf keinen Fall den Eindruck erwecken, man hätte Macht über mich. Kurz: es ging mir um eine bessere Verhandlungsposition.

Das ist ein erstrebenswertes Ziel, aber man muß es erst erreichen.
Eher kann man da gedanklich wieder auf den Schulhof zurückzukehren: Aus dem Verzichten können andere Stärken wachsen. Man kann es zum Gut-Dastehen einsetzen. Man sieht genau hin, an welchen Punkten man besser dasteht als die anderen, und genau die zeigt man dann. Eben das, was man mit dem Geld anfängt, das bei anderen für die Monatsraten draufgeht.
Da hat man gleich etwas, das man irgendwelchen Mobbing-Typen aufs Brot schmieren kann. Denn wenn man schon gemobbt wird, dann bitteschön nicht aus Mitleid, sondern aus Neid.

Man sieht, auch hier sind die Möglichkeiten größer als sie erscheinen.
Ich möchte deshalb diesen Artikel nicht mit einer Phrase beenden, die wie beschrieben abgetan werden kann - obwohl ja wirklich jedes Leben irgenwie erfolgreich ist.
Sondern als Schlußwort halte ich für passender: Manchmal ist eben der scheinbar falsche Weg doch der richtige.

Julian / Braunschweig


P.S. 1: Ich weiß, wie schwer das ist. Dies schreibe ich nach drei gescheiterten Beziehungen, während mein fünf Jahre jüngerer Bruder Vater wird.
P.S. 2: Das Geld habe ich bekommen.




Wahr oder falsch?

"Mit einem Vorrat von 15 Bargeldstücken (ein Bargeldstück kann sein: eine Münze oder ein Schein) ist man sicher, jeden Betrag von 0,01 bis 99,99 EUR passend bezahlen zu können."
Ist das möglich oder nicht? Und welche Bargeldstücke muß man an der Kasse bereithalten?

Zur letzten Folge von "Wahr oder falsch" - zum Ü in Nationalhymnen - erreichte uns diese Antwort:

Da mich solche Wortkniffeleien auch faszinieren, möchte ich gerne antworten auf den Aufruf, einen deutschen Begriff zu finden, der sechsmal das Ü enthält:

Grüngemüsekühlungsverfügungsrüge

Dieses zugegebenermaßen etwas sperrige Wortungetüm könnte durchaus der deutschen Amtssprache entspringen. Unter Grüngemüse lassen sich problemlos leckere gesunde Nahrungsmittel wie Broccoli, Spinat, Gurken und verschiedene Salatköpfe einordnen. Grüngemüsekühlung bezeichnet halt die ordnungsgemäße, hygienisch einwandfreie und vitaminerhaltende Lagerung in entsprechend temperierten Lagerräumen. Die Grüngemüse-kühlungsverfügung wäre dann die dazugehörige gesetzliche Verankerung im Lebensmittelgesetz oder in den Richtlinien für die Überwachung der Lebensmittelsicherheit durch die Gewerbeaufsichtsämter.
Die Grüngemüsekühlungsverfügungsrüge letztlich stellte eine Rüge, also im Umgangsdeutsch eine Beschwerde, eines betroffenen Gastwirtes oder Gemüsehändlers dar, in dessen Küche beziehungsweise Verkaufsraum die Lebens-mittelkontrolleure, seiner festen Ansicht nach natürlich völlig unhaltbar, eine unsachgemäße Lagerung dieser pflanzlichen Nahrungsmittel festgestellt haben wollen.
Ja, und ein sechstes Ü fällt mir beim allerbesten Willen nicht mehr ein, was mir nun hoffentlich keine Rüge einträgt ;o)

Michael aus Hildesheim




Zwei Fragen

An Organisatoren und Kontaktstellen:
An unseren Infoständen hört man immer wieder, "ich kenne jemanden, der...". Ich erhalte viele Anfragen dieser Art: "Ich rufe für meinen Sohn an"
Es ist nicht immer die berühmte Notlüge. Einem solchen Sohn merkte man an, daß er nicht ganz freiwillig bei einer intakt-Infoveranstaltung war.

Wie geht ihr damit um? Was sagt ihr dann?
Wie oft kommen bei euch die Betroffenen wirklich zur Gruppe, wie oft die Anrufer?
Wie sprecht ihr den Sohn an? Etwa "Wie können wir deine Eltern überzeugen, daß du unsere Gruppe nicht nötig hast?"

An scheinbar im Leben Erfolglose:
Fühlt ihr euch doppelt bestraft? Erst durch Mobbing und was ihr sonst hinnehmen mußtet - dann durch "die Welt draußen", die gerade eure durch diese Erfahrungen verbogene Persönlichkeit als Anlaß nimmt, euch abzulehnen?

Julian / Braunschweig




Celle und Goslar

Leider haben sich diese beiden Gruppen aufgelöst. Der intakt e.V. hat zur Zeit nicht die Kapazität, mit Vor-Ort-Aktivitäten die Gruppen neu zu gründen.
Die Webseiten der Gruppen sind trotzdem weiterhin online - wenn auch mit dem Hinweis "aufgelöst" - damit Interessierte aus den Städten sich bei uns melden können, wenn sie die Gruppen neu gründen möchten.




Wahr oder falsch - die Auflösung

15 sind es nicht, aber fast. In Wirklichkeit sind es 16. Und zwar für jede Zehnerstufe (0,01, 0,10, 1,00, 10,00) je vier: ein Fünfer, ein Zweier und zwei Einer. Falls man einen Einer durch einen Zweier ersetzt, kann man sogar bis 111,10 EUR passend bezahlen.
Sammelt soviel Bargeld und probiert es aus.


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zuletzt am 12.10.2017 um 17 Uhr 33