Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief April 2015

Titelseite

Inhalt:
   - Gruppenkonto für Fördergeld
   - 10 Jahre Gruppe Konstanz
   - Selbsthilfe und Bürokratisierung
   - Unser Land bleibt tolerant
   - Backen und Essen, Teil 2
   - Filme, die die Welt erklären, Teil 7


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Unterkonto beim intakt e.V. für Fördergeld

Das Konto für das Krankenkassen-Fördergeld kann immer noch Probleme machen. Die Angabe des intakt-Vereinskontos wurde vor kurzem von einer Förderkasse nicht akzeptiert. Die Kassen haben dort Ermessensspielraum.
In solchen Fällen sind die Alternativen:
1. Privates Konto mit den dazu gestellten Förder-Bedingungen. Dazu ist aber nicht jeder bereit, besonders in Gruppen mit hohem Mitglieder- oder Leitungswechsel kann das zum Problem werden.
2. Kostenloses Konto, auf das man überweisen kann. Schwer zu finden. Es wurde einmal eine "Sparcard" der Postbank genannt. Wir wissen nicht, ob der Tip immer noch gültig ist.
3. Unterkonto des intakt e.V. bei dessen Bank. Wir haben dieses Angebot für 2015 einer Gruppe gemacht. Es mußte schnell gehen, da die Förder-Antragsfrist am 31.3. ablief. Zum Glück konnte unsere Bank schon eine Kontonummer nennen, die das Konto bekommen würde. So konnte erst der Antrag eingereicht und dann hinterher in Ruhe das Konto eingerichtet werden.

Wir können es auch für eure Gruppe machen, aber nur unter diesen Bedingungen:
1. Es muß wirklich klar sein, daß die Krankenkasse das normale Vereinskonto nicht akzeptiert. Fragt also nochmal bei eurer Förderkasse und/oder eurer Kontaktstelle.
2. Die Kontoführungsgebühr muß vom Gruppen-fördergeld, d.h. von der Förderkasse bezahlt werden, also beantragt 60 EUR mehr.




Kreis Konstanz: Selbsthilfeangebot zu Sozialer Phobie existiert seit 10 Jahren

ZUSAMMENFASSUNG
- Gruppenleiter zieht positive Bilanz
- Wachsende Nachfrage nach persönlicher Unterstützung
- Veränderungen im Verständnis der Selbsthilfe drücken die Teilnehmerzahlen


Jeder vierte bis jeder zehnte Bundesbürger, so unterscheiden sich Angaben, ist von mehr oder weniger manifesten, spezifischen Ängsten (Phobien) betroffen - und auch im Landkreis Konstanz hat sich ihre Zahl derer wohl in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Wahrscheinlich auch aufgrund dieses konkreten Bedarfs reiften in der ersten Jahreshälfte von 2005 die Überlegungen, vor Ort ein Selbsthilfeangebot für die Betroffenen dieser oftmals mit großem Leidensdruck und Einschränkungen im Lebensalltag verbundenen Krankheiten zu schaffen. Bereits einige Monate später etablierte sich ein regelmäßiges Gruppenangebot, das in Spitzen mit deutlich mehr als einem Dutzend Besuchern 14-tägig zusammenkam.

Die Initiative ergriff damals der von den Erkrankungen selbst heimgesuchte Dennis Riehle, der im Alter von 20 entschied, die Lücke in der Selbsthilfelandschaft zu schließen. Heute, 10 Jahre später, erfreut sich das Angebot ungebrochenen Zulaufs - auch wenn sich die Gewohnheiten der Betroffenen und die Formen der Selbsthilfe seither stark verändert haben. Mittlerweile steigen die Anfragen und Gesuche nach Unterstützung und Erfahrungsaustausch am Telefon und per Mail rasant an, während die Bereitschaft zur zuverlässigen Teilnahme an Gruppentreffen rückläufig ist. "Diesen Trend erkennen wir bundesweit - und er hat sicherlich auch viel damit zu tun, dass man Selbsthilfe in der Moderne auch viel einfacher haben kann. Ob es allerdings sinnvoll ist, sich per Video oder Handy zu virtuellen Gruppen zu verabreden, das steht auf einem anderen Blatt", beurteilt Riehle kritisch.

Dennoch sei ein zehnjähriges Bestehen gerade in Zeiten, in denen sich Ehrenamt und Freiwilligendienst auf eher kurze und projektbezogene Phasen ausrichten, ein beachtliches Durchhalten von allen Beteiligten. "Insbesondere muss ich dabei der Selbsthilfekontaktstelle am Landratsamt Konstanz danken, die in allen Fragen und Unsicherheiten ein kompetenter Ansprechpartner war", befindet der mittlerweile 29-Jährige, der gleichzeitig Vorsitzender des Selbsthilfenetzwerkes im Kreis Konstanz ist. Auch erfahre er weiterhin viel Dankbarkeit von denen, die seinen Rat suchten, sagt Riehle, den im Durchschnitt 30 bis 40 Erkrankte oder deren Angehörige pro Monat kontaktieren. "Wenngleich Vieles selbstverständlich erscheint, freue ich mich natürlich besonders, wenn ich einen Anstoß zum persönlichen Vorankommen geben kann. Gleichbetroffene haben doch einen ganz anderen Blick als die therapeutischen und medizinischen Fachkundigen, mit denen ich gleichwohl in engem Vertrauen zusammenarbeite."

Die meisten Fragen beantwortet Riehle nach eigenen Angaben zu den Krankheitsbildern selbst, aber auch zu Therapieangeboten, persönlichen Bewältigungs-strategien und Alltagsproblemen, die mit den Erkrankungen auftauchen. "Ich kann keine Behandlung oder Therapie ersetzen, das will ich auch gar nicht. Ich ergänze um eine neue Sichtweise - schlussendlich muss sich der Betroffene nach dem Motto der Selbsthilfe dann aber eigens für seinen Weg entscheiden." Riehle hofft, dass diese Form der Unterstützung auch in der Zukunft nachgefragt bleibt. Immerhin hat die Initiative, die Mitglied im Verein "intakt e.V." ist, im Laufe der Zeit bereits ihr Klientel erweitert: "Viele der Erkrankten sind von mehreren psychischen Leiden gleichzeitig betroffen. Deshalb haben wir uns aufgrund der großen Nachfrage zunehmend auch für diejenigen geöffnet, die mit Depressionen oder psychosomatischen Störungen zu kämpfen haben", wie der Gruppenleiter ausführt. In einer Gesellschaft, in der der alltägliche Druck auf die Menschen anwächst und die Zeiten dynamischer werden, dürfte für die Selbsthilfe aber Hochkonjunktur bleiben: "Ich mache mir keine Sorgen darum, dass wir nicht auch das 20-Jährige noch schaffen", so Riehle abschließend.

Dennis Riehle
Selbsthilfeinitiative Zwangserkrankungen, Phobien, psychosomatische Störungen und Depressionen im Kreis Konstanz
Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
Mail: info@zwang-phobie-depression.de
Web: www.zwang-phobie-depression.de




"Bundestag lässt ehrenamtliche Selbsthilfe im Stich"
Petitionsausschuss verteidigt Bürokratisierung des Förderwesens


ZUSAMMENFASSUNG
- Bundestag weist Kritik von Selbsthilfevertretern an neuen Förderanträgen zurück
- Petitionsausschuss sieht Interessen der Gruppen ausreichend berücksichtigt
- "Grüne" und "Linke" scheitern mit Antrag auf Überweisung an die Bundesregierung


Der Deutsche Bundestag ist einer Stellungnahme des Bundesministeriums der Gesundheit gefolgt, wonach es am Leitfaden zur Selbsthilfeförderung gemäß 20c SGB V keine Änderung geben soll. Mehrere Interessenvertreter der Selbsthilfe aus dem gesamten Bundesgebiet hatten unabhängig voneinander Petitionen an das Parlament einge-bracht, wonach aus ihrer Sicht die wachsende Bürokratie, die steigende Nachweispflicht und die enge Bindung an die Krankenkassen im Zuge von Anträgen auf Pauschalförderung bei den Krankenkassen von den ehrenamtlichen Gruppenleitern nicht mehr getragen und vertreten werden könne.

Unter den Petenten war auch der Selbsthilfe-gruppenleiter für Soziale Phobie im Kreis Konstanz und stellvertretender Vorsitzender von intakt e.V., Dennis Riehle. Er zeigt sich enttäuscht über die Ablehnung des Parlaments - zumal er wesentliche Gesichtspunkte der vorgebrachten Kritik in dem Beschluss des Petitionsausschusses überhaupt nicht behandelt sieht: "Ich hatte mich dafür eingesetzt, dass den ohnehin unentgeltlichen arbeitenden Freiwilligen an der Spitze der Selbsthilfegruppen nicht noch mehr Verpflichtungen und Verantwortung aufgebürdet wird. Der Bundestag lobte stattdessen, dass seine Gesetzgebung den Krankenkassen größtmögliche Freiheit in der Gestaltung der Anträge auf Förderung der Selbsthilfe eingeräumt hat. Offenbar reden wir dort aneinander vorbei!".

Auch hatte das Ministerium bekräftigt, dass die Anliegen der Selbsthilfe in den Leitfäden und Diskussionen um die Förderrichtlinien und -voraussetzungen ausreichend berücksichtigt worden seien. Immerhin seien in den zuständigen Gremien nach 140f SGB V Patienten-vertretungen eingebunden. Dem hält Riehle allerdings entgegen, dass dieses Konzept nicht ausgereift sei: "Schon desöfteren hatten wir kritisiert, dass die Kommunikation zwischen den Entscheidungsträgern in der Hierarchie nicht funktioniert. Zwar können sich Verbände partizipieren; die eigentlich Betroffenen, nämlich die Gruppenleiter vor Ort, die täglich mit der Praxis der ausgearbeiteten Vereinbarungen arbeiten müssten, werden meistens aber vor vollendete Tatsachen gestellt, statt eingebunden gewesen zu sein. Hier wäre es sinnvoll, wenn der Gesetzgeber auch Vertreter der nicht-organisierten Basis der Selbsthilfebeteiligen würde".

Zu dem Entscheid des Petitionsausschusses, in welchem die Fraktionen von "Bündnis 90/Die Grünen" und der Partei "DIE LINKE" mit ihrem Antrag gescheitert waren, die Petition der Bundesregierung zu übergeben, sagt der Gruppenleiter aus Konstanz: "Nun müssen wir mit den Antragsformularen weiterarbeiten, die beschlossen sind - von selbst haben sich die Gremien nur geringfügig bewegt und einzelne Nachweispflichten wieder ausgesetzt. Ich weiß um einige Kollegen aus der hiesigen Förderregion, die schon zum Ausdruck gebracht haben, ihre ehrenamtliche Selbsthilfearbeit nun einzustellen. Es ist schade, wenn der Freiwilligendienst so kaputt gemacht wird. Wir haben zumeist deutlich mehr Ausgaben, als wir an Förderung erhalten. Und für die doch übersichtlichen Summen müssen wir Verpflichtungen und Bürokratie eingehen, die neben 20 Stunden Ehrenamt pro Woche für die Gruppe nicht mehr zu leisten sind. Der Wert unserer Arbeit wird durch solche Erschwernisse gemindert. Die Gruppen vor Ort müssen dafür bezahlen, dass es einige wenige größere Selbsthilfe-Dachorganisationen waren, die zeitweise intransparent mit ihren Mitteln umgegangen sind. Ich selbst werde dieses Jahr keine Förderanträge mehr einreichen und meine Gruppenarbeit auf persönliche Beratung beschränken. Die 200 EUR an Kosten, die hierfür anfallen, zahle ich aus eigener Tasche", ärgert sich Riehle abschließend.

Dennis Riehle, Gruppenleiter
Selbsthilfe Zwangserkrankungen, Phobien, psychosomatische Störungen und Depression; Glaukom ("Grüner Star"); Muskel-, Weichteil-, Nervenerkrankungen und Fibromyalgie
Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
Mail: selbsthilfearbeit@riehle-dennis.de
Web: www.dennis-riehle.de




Unser Land bleibt tolerant
Deutschland setzt ein Zeichen für Toleranz


ZUSAMMENFASSUNG
- Noch eine Angstübung bei der Anti-Bragida-Demo
- Wie weit ist das Publikum gegen meinen Hintergrund?
- Deutschland und Antifaschismus passen doch zusammen.


Wenn etwas in die böse Ecke gestelt wird, rücken viele Menschen davon ab wie im Filmbeispiel auf Seite 6. Eigentlich müßte es andersrum sein: Ranrücken! Solidarität mit den Opfern falscher Vorurteile! Egal ob sich diese gegen die "falsche" Schnürsenkelfarbe oder die "falsche" Hautfarbe richten.
Eigentlich wollte ich hier eher theoretisch über die "Nazikeule" schreiben. Ich hatte schon Beispiele zusammengetragen, wogegen diese eingesetzt wurde und wer sie wie abgewehrt hat.
Aber weil die Bragida-Demos weitergingen, hatte ich eine Gelegenheit, diese Abwehr zu praktizieren.

Mit "Vaterland" und "Muttersprache" ist es wie mit den richtigen Eltern: Oft schämt man sich für deren Kultur, leidet unter deren Fehlern, und manchmal will man nur noch weg. Aber wenn irgendwelche Idioten glauben, sie beleidigen zu müssen, dann weiß man ganz genau, auf welcher Seite man steht.
Diese Idioten sind die Rechtsradikalen, welche die Pegida-Demos an sich gezogen haben. Im Vorurteil, "deutsch" wäre "faschistisch", sind sich deutsche Faschisten und antideutsche Antifaschisten seltsam einig. Ich wollte, mußte gegen beide demonstrieren.
Deutschland ist ja nicht nur das Land von Hitler. Es ist das Land, in dem man bei Grün gefahrlos über die Fußgängerampel gehen kann und Fahrpläne mehr sind als unverbindliche Empfehlungen. (1) In dem der Hartz-4-Betrag höher ist als der weltweite Durchschnittslohn und mehr Leute gegen Pegida demonstrieren als für. In dem man die einzige Sprache nutzt, die ich perfekt beherrsche. Es ist meine Heimat. Es ist mein Land. Natürlich ist dort auch einiges falsch, aber gerade dagegen wollte ich ja demonstrieren.

Demo, Foto 1 Eine Kultur - Nation, Religion, Weltverbesserungsidee, sonstwas - verteidigt man am besten dadurch, daß sie attraktiv, einladend, freundlich wird, damit der Rest der Welt sie gern mitmacht und als Vorbild nimmt. Ich nahm also eine Schwarz-Rot-Goldene, wenn auch nicht die ganz große vom Fußballfest. Daran befestigte ich zwei Zettel, an jeder Seite einen: "Nazis raus - unser Land bleibt tolerant".
Diese Aussage war eindeutig. (2) Trotzdem hatte ich Zweifel beim Weg zur Demo: Wieviele "antideutsche Antifaschisten" würden kommen? Wie sehr würde deren Vorurteil von der Mehrheit der Demo geteilt werden?

Ich ging in der Menge rum, stellte mich mal hierhin, mal dahin. Einmal auch absichtlich schräg hinter ein leicht deutschfeindliches Plakat. In die Ecke mit den ganz roten Fahnen traute ich mich aber nicht.
Ein islamischer Redner distanzierte sich vom Terrorismus. Auch er bekam meine Zustimmung in Form von Fahnenwedeln. Auch er hat ja eine ähnliche Mission: zwei Dinge zusammenzubringen (Deutschland und Islam), die angeblich nicht zusammenpassen. Und aus deutscher Sicht kann man seine Mission noch weiter verstehen: Wir kennen das, wir distanzieren uns schon seit 70 Jahren (3) - und auch uns wird nicht immer geglaubt, daß es ehrlich ist.
Eine palästinensische Gitarristin präsentierte das Revolutionslied von Tracy Chapman. Ich begann, im Rhythmus die Fahne zu schwenken - im Takt mit einer Grünen- und einer Linken-Fahne neben mir.

Die Demo zog weiter zum Platz, an dem die Bragida-Demo stattfand. Ich ging etwas schneller und war plötzlich vorn in der zweiten Reihe. Ich kam als einer der ersten an der Barriere an und stand dort ganz vorn. Ein Gitter, 3 Meter, noch ein Gitter, ein Polizeiaufgebot - und dahinter konnten schon Rechte laufen.
Meine Fahne war eine der wenigen, die in den Zwischenraum hingen. Ich bekam das typische Demo-Gefühl: Mut des überzeugten "Kämpfers" und gleich-zeitig Angst vor Konsequenzen. Besonders, wenn auf der anderen Seite Leute mit Kamera auftauchten. Dann hielt ich meine Fahne besonders hoch - einerseits um sie stolz zu präsentieren, andererseits um auf den Fotos nicht sichtbar zu sein.

Als die Bragida ihren Marsch begann, ging ich mit vielen anderen in dessen Nähe. An einer Stelle war noch weniger Platz zwischen beiden Demos, wenn auch mehr Polizei. Hier konnte am lautesten protestiert werden. Die Leute um mich zeigten den Rechten ihre Stinkefinger. Da habe ich die Fahne mit nur acht Fingern angefaßt. Welche Seite den Böller zündete, sah ich nicht, aber Demoschilder u.ä. flogen von unserer Seite auf deren. Oh, war ich in den "schwarzen Block" geraten? Ich hielt meine Fahne hoch. Beide Seiten mußten meine Fahne und meinen Slogan sehen - die Rechten vor mir und die Linken hinter mir.
Mir geschah aber nichts, nach einer Minute war der Demozug vorbeigelaufen, die Krawallmacher gingen also auch. Ich beendete dann meine Aktion.

Ein Dank geht an die Satiregruppe "Nigebida" ("Nie genug Bier da"), die meinen Slogan in einer Blockadeformation als Sprechchor übernahm. Es waren zwar nicht genug Mitrufer im Vergleich zum Antifa-Block nebenan, aber doch hörbar.
Ansonsten traf ich jemanden mit einem DFB-Fanschal und jemanden mit dem Slogan "Einigkeit, Recht und Freiheit statt Intoleranz und Ausgrenzung".
Negative Reaktionen kamen keine. Die einzige kritische Anmerkung beantwortete ich mit dem Slogan und einem Exemplar des August-Rundbriefs ("Kein Fußball ist auch keine Lösung"). Deutschland ist doch nicht so unbeliebt ist wie es den Eindruck macht. (4) Es war also doch keine Angstüberwindungsaktion.
Insgesamt hat es sich aber doch für mich gelohnt. Mal wieder geht mehr als am Anfang gedacht.

Julian / Braunschweig


Demo, Foto 2

(1) Und wer jetzt denkt, das würde doch nicht stimmen, ist auch damit typisch deutsch: sich nicht mit der mittelperfekten Lösung abfinden.
(2) Gegen den Spruch "Nazis raus" kann man viel einwenden: 1. Die machen auch draußen Scheiße. 2. Deutsche Nazis ins Ausland? Lieber nicht, wir kontrollieren sie besser selbst. Aber zumindest als deutliches Antifa-Symbol ist er tauglich. Und darum ging es mir.
(3) Zumindest jedenfalls seit Willy Brandt, aber auch das ist schon länger her als ich alt bin.
(4) Man sah es auch an einer anderen Nachricht: Kurz nach der Demo kam die Nachricht, daß die WM 2022 (Katar) im November gespielt werden soll. Mehrere große Zeitungen, von "Welt" bis "taz", also aller Lager, zeigten auf dem Titel frierende schwarz-rot-goldene Fußballfans.



P.S.: Bei den Demos haben sich Menschen mit eingewanderten Vorfahren oft über das zweifelhafte Lob "Sie sprechen aber gut Deutsch" beklagt. Wir Schüchternen kennen etwas ähnliches: "Sie sind aber sehr mutig". Beides bekommen auch jene zu hören, die hier geboren sind oder die ihre Ängste vor ganz anderen Dingen haben. Beides ist nett gemeint (und gerade deshalb so schwierig abzuwehren). Aber beides zeigt auch, daß Menschen nur nach dem einsortiert werden, was sie zu sein scheinen oder was über sie auf eine halbe Zeitungsseite paßt.




Backen und Essen mit Julian
Teil 2: Ayran


"Ayran Ayran Ayran, schaff mir noch ein Ei ran.
Ali Ali Ali, die Rechnung die bezahl i."
(freie Übersetzung des Refrains von "Ötme Bülbül Ötme")

Wenn vom Zaziki noch Joghurt übrig ist, ist dieses türkische Getränk eine gute Idee. Es paßt ideal zu balkanisch-anatolischen Fleischgerichten.
Naturjoghurt und Wasser werden gemischt im Verhältnis 1:1 bis 1:2. Einfach eine 2/3 geleerte Joghurt-Literflasche mit Wasser auffüllen und schütteln. Sollte der Joghurt keine ausreichende Säure mitbringen, kann mit etwas Zitronensaft nachgeholfen werden. Bei Bio-Joghurt sollte das aber nicht nötig sein.
Beim Schütteln wird noch etwas Salz zugegeben, dieses war ursprünglich gedacht, um im heißen Mittelmeersommer den Schwitzverlust auszugleichen. Beim Geschmack sollten sich sauer und salzig die Waage halten. Auf einen Liter paßt vielleicht ein gestrichener Eßlöffel Salz.
Auch dem Ayran kann mit gepreßtem Knoblauch oder Harissa eine würzige Note gegeben werden.

Guten Appetit!
Julian




Filme, die die Welt erklären
Teil 7: Wer ein Opfer ist, bestimm ich


Nachdem ich die Filmserie im Dezember eigentlich beendet hatte, wurde ich gefragt, ob sie nicht doch weitergehen könnte. Heute kann sie es. Ich werde gern weitere Filmszenen vorstellen, die sozialphobische Themen ausdrücken. Aber nicht mehr als regelmäßige Serie, sondern in loser Folge, wenn ein Film zu einem Thema paßt.
Eigentlich wollte ich auch keine Mordszenen, aber zum heutigen Thema ist es doch eine solche, die ideal paßt.

Der heutige Film ist "Desperado": ein Revolverheld - wobei das Wort "Revolver" bei seinem Waffenarsenal eine Verharmlosung ist - kommt in ein mexikanisches Wüstenkaff, um mit dem dortigen Drogenkartell eine Rechnung zu begleichen. Es ist klar, daß in dem Film viel geballert und gemordet wird; doch anders als in z.B. "Rambo" fällt es erst übel auf, wenn es bewußt so gesehen wird. Eine Menge Gags und Zoten lenken ab. Einige muß ich hier bringen:
- Die weibliche Hauptperson wird so vorgestellt: Sie geht selbstbewußt und hüftenwackelnd in Richtung Kamera. Im Hintergrund stoßen zwei Autos zusammen.
- In einer Bar ist eine WC-Kabine extrem verdreckt mit allen möglichen Ausscheidungen. Durch Ziehen der Spülung öffnet sich eine Geheimtür, und man gelangt ins Hinterzimmer für den Drogenhandel.
- Der Rächer hat soeben einen ganzen Pistolentrupp erschossen, nur einen Mann noch nicht. Beide greifen sich je eine der Waffen, die nach der Schießerei überall auf dem Boden liegen. Sie zielen, drücken ab - beide Waffen sind leer! Sie greifen sich andere - auch leer!
Oh ja, Gewalt wirkt harmlos, wenn man sie mit Witzen verpackt. (1) Auch die heutige Szene steht bei Youtube unter einem solchen unpassenden Titel.

Bucho, der Mafiaboss, ist wütend, daß seine Leute den Rächer nicht erwischen konnten. Vor seinen Leuten hält er eine Standpauke. Er meint, es wäre doch ganz einfach, jemanden zu erschießen. "Wie schwer ist das?!" Er nimmt die Pistole seines Assistenten, zielt auf seine Leute: "Schaut mal da!" Die Leute schauen sich ratlos um. "Wer ist denn das, den kenn ich ja nicht!" Er meint einen der Killer, einen Kopf größer als die anderen und als einziger mit einem schwarzen Cowboyhut. (2) Die anderen scheinen zu merken, wer gemeint ist, rücken von ihm ab, bis er allein steht. Im Bild wird die Pistole in seinem Gürtel sichtbar. (Doch natürlich haben auch die anderen Pistolen). Bucho spricht das offen aus: "Der hat ja ne Knarre! Das muß er sein!"
Der Hutträger setzt zum Widerspruch an, kann aber nur noch ein Wort sagen. Schon trifft ihn der tödliche Schuß.

Julian / Braunschweig

(1) Der Effekt ist altbekannt. Max und Moritz werden durch die Mühle gedreht und der Struwwelpeter-Schneider amputiert den Daumen.
(2) Der schwarze Hut gilt als Symbol des bösen Pistoleros in alten Wildwestfilmen.



Wer die Filmszenen meiner Serie selbst sehen möchte, findet die meisten bei Youtube unter den folgenden Titeln. Da sind sie zwar meist in Englisch, aber ich habe in meiner Serie die Übersetzungen genannt:
Teil 1: "Indiana Jones vs. The Swordsman"
Teil 3: "Was steht auf meinem Rücken"
Teil 4: "What's Up Doc"
Teil 5: "The Shining- Best scene ever!"
Teil 5: "Crocodile Dundee Messer german"
Teil 6: "Demolition Man - Language Violation"
Teil 6: "Silver Streak ..."
Teil 7: "Desperado funny scene"



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zuletzt am 12.10.2017 um 17 Uhr 33