Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Kehrwieder am Sonntag, Hildesheim, 25.9.2005

Wenn Zweifel den Mund verschliessen

Von (adu)

Julian Kurzidim hat bereits in Braunschweig eine Selbsthilfegruppe gegründet und er ist Vorsitzender der Dachorganisation ,intakt e.V.". Sie ist im Internet unter www.schuechterne.org vertreten

Landkreis. Julian Kurzidim ist sehr schüchtern. Obwohl: Seine Freunde aus seiner Braunschweiger Selbsthilfegruppe für Schüchterne sagen mittlerweile "Julian, Du bist gar nicht mehr so schüchtern!" Denn der 29-Jährige traut sich was, fährt in eine fremde Stadt und leistet hier - in Hildesheim - Aufbauhilfe für eine weitere Selbsthilfegruppe.
Die Domstadt und ihre Umgebung waren bisher ein weißer Fleck bei der selbstorganisierten Hilfe für Menschen mit Kontakthemmnissen. Das ändert sich am Donnerstag, 29. September, wenn sich um 19 Unr in der Hildesheimer Schwemannstraße 2 in den Räumen des Vereins fur Suizidprävention erstmals Schüchterne und Menschen mit einer regelrechten Sozialphobie treffen. Unterstützt wird die Selbsthilfegruppe vom "Paritätischen" Hildesheim-Alfeld.
"Der Bedarf ist da" sagt Kurzidim. "Schüchtern sind mehr als es zugeben und mehr als man denkt." Das Fundament für die Kontaktscheue ist nicht angeboren, sondern wird oft in früher Kindheit gelegt. Nach Enttäuschungen und Zurückweisungen sucht so mancher Mensch Schutz in der stärkeren Isolation: Er baut sich ein Schneckenhaus.
Wer mit Julian Kurzidim über seine Probleme mit der Schüchternheit spricht, der bekommt statt einer direkten Antwort mitunter nur einen verlegenen Blick. Nach langen Sekunden sagt er dann: "Da war es." Denn in sich immer stärker verengenden Schleifen kreist der als Antwort vorgesehene Gedanke in seinem Kopf und vermischt sich mit Zweifel - ist diese Antwort gut genug? Das Resultat: Der schüchterne Mensch bringt mitunter gar nichts mehr heraus. Das führt sogar so weit, dass Betroffene auf ihre Umgebung zu ihrem eigenen Unglück als besonders unnahbar wirken. Die Folgen können sogar auf den Körper durchschlagen. Herzrasen, Neurodermitis oder Bluthochdruck gelten als Symptome. Zwischen zwei und acht Prozent der Menschen, sagt Kurzidim, leiden im Laufe ihres Lebens phasenweise unter der krankhaften Form der Schüchternheit, der Sozialphobie. Schon die Bestellung beim Bäcker wird da zur Qual.
Dabei ist Schüchternheit, so bringt es der studierte Sozialarbeiter auf den Punkt, eigentlich eine Summe positiver Eigenschaften: Zurückhaltung, die aber bis zu Abkapselung führt, Rücksicht, die bis zur Selbstaufgabe reicht. Und Konfliktscheu, die den Schüchternen daran hindert, den Anteil an der Willensbildung in einer Gruppe zu nehmen, der ihm zusteht.
Trotzdem: Gerade in der Gruppe mit anderen Betroffenen soll das Gespräch den Schüchternen helfen. Allmählich bauen die Teilnehmer so Selbstbewusstsein in der Kommunikation auf. Vertraulichkeit ist dabei Ehrensache. Und wer seinen Namen nicht sagen mochte, muss dies auch nicht tun.

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zuletzt am 07.04.2020 um 06 Uhr 44