Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Cellesche Zeitung, 13.5.2006

Raus aus der Einsamkeit: Selbsthilfe für Schüchterne
Celler Gruppe beim Treffen im Cafe Kuhkaff

Von Nils Hartung

Kommentar: Für das Foto zu diesem Artikel haben wir Leute aus anderen Städten nach Celle mitgebracht.

CELLE. Sie waren schon als Kinder und Jugendliche zurückhaltend und in sich gekehrt. Heute haben sie oft das Gefühl, in der Gesellschaft "untergebuttert" zu werden: Schüchterne Menschen haben jetzt in Celle eine Selbsthilfegruppe gegründet, um offener gegenüber anderen Menschen zu werden und ihre Hemmungen abzulegen.
Die Stille im Raum in der ersten Etage des Cafe Kuhkaff ist fast greifbar. Die Celler Selbsthilfegruppe für Schüchterne hat heute ihr Treffen im Cafe in der Blumlage. Vier Mitglieder der Gruppe sind gekommen: Julian. Christian, Susanne und Ingo. Alle sind zwischen 20 und 30 Jahren alt.
Der Grund für die Stille ist kein Zufall: "Die Schweigepausen setzen wir uns extra, damit keiner unter Druck gerät, etwas erzählen zu müssen", erklärt Julian, 30 Jahre alt. Er hat die Selbsthilfegruppe bei sozialen Ängsten (so lautet der offizielle Name) in Braunschweig gegründet. Alle vier aus der Gruppe sind sich einig, schon als Kinder eher zurückhaltend und introvertiert gewesen zu sein. "Ich war viel alleine, als ich jünger war und hatte wenig Kontakt zu Mitschülern", erinnert sich die 23-jährige Susanne. Sie ist die einzige aus der Gruppe, die nicht in psychologischer Behandlung ist. Die vier versuchen bei ihren Treffen vor allem, ihre Ängste abzubauen und ihre Einsamkeit zu überwinden.
"Wir sprechen teilweise fremde Leute auf der Straße an, um uns zu beweisen, dass wir das können", erzählt der 29-jährige Ingo. "Raus aus der Einsamkeit sollte das Motto unserer Treffen sein", meint der 22 Jahre alte Christian. Über die Gruppen, die es in fast allen größeren Städten in Norddeutschland gibt, haben sich schon viele Freundschaften gebildet. Die "Schüchternen" gehen zusammen ins Kino oder in Restaurants, Sachen, die sie sich sonst nicht getraut hätten. "Man weiß einfach, dass die anderen Mitglieder die gleichen Probleme haben", erklärt Julian.
Aufgefallen, dass sie etwas "anders" sind als die meisten Menschen, ist es den vieren das erste Mal in der Schulzeit: "Auf dem Pausenhof standen alle Mitschüler in Gruppen zusammen und redeten. Ich war immer abseits und mir ist nichts eingefallen. Oder ich fand alle Sachen, die mir einfielen, nicht erwähnenswert", sagt Julian. Den Erfahrungen aus der Zeit der Pubertät trauern sie heute noch ein wenig nach. "Ich fühle mich in meiner Entwicklung etwa so weit wie mein 15-jähriger Bruder", gesteht Susanne.
Die Treffen mit der Gruppe sind eine gute Ergänzung zur Therapie, findet Julian. "Man kann hier zielbewusst arbeiten", meint er. Viele ehemalige Mitglieder in anderen Städten hätten durch die Selbsthilfe schon große Fortschritte gemacht und würden mittlerweile ohne Hilfe leben, erzählt er. "Die Ursachenforschung für die Schüchternheit jedes einzelnen kann man aber nur in einer Therapie herausfinden", ist sich Julian sicher.
Treffen der Celler Selbsthilfegruppe für Schüchterne finden jeden zweiten Montag im Cafe Kuhkaff in der Blumlage 64 statt, die nächste Sitzung ist am 22. Mai.

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