Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

impulse - Newsletter zur Gesundheitsförderung, Dezember 2007

Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

Von Julian Kurzidim

Der gemeinnützige Verein "intakt - Norddeutscher Verband der Selbsthilfe bei sozialen Ängsten e. V." fördert die Selbsthilfe im Bereich der sozialen Ängste: Schüchternheit, soziale Phobie, soziale Isolation. Er ist der größte, womöglich gar der einzige Verein zu diesem Thema in Deutschland und wurde 2004 von fünf Selbsthilfegruppen gegründet. Inzwischen besteht sein Netzwerk aus elf Gruppen, weitere sind in Vorbereitung.

Fehleinschätzungen durch das soziale Umfeld

Sozial ängstliche Menschen, im Volksmund als schüchtern oder gehemmt bezeichnet, leben oft in einer unfreiwillig selbst erzeugten gesellschaftlichen Isolation. Sie bilden sozusagen eine Mauer um sich herum. Durch schlechte Erfahrungen mit ihrer Umwelt wie z. B. Mobbing, Ausgrenzung oder Missbrauch sehen sie misstrauisch in die Welt und ziehen sich zurück. Aktivitäten wie Besuche, Kino, Partys o. ä. unterbleiben oft wegen vermuteter negativer Folgen. Betroffene haben zwar ihre speziellen Stärken, die sogar aus ihrem Problem erwachsen, wie Rücksichtnahme und Sensibilität, dennoch fällt es ihnen schwer, diese zu nutzen. Ihre Probleme werden durch die Reaktionen der Umwelt verstärkt. Die äußere Zurückgezogenheit wird von anderen Menschen häufig falsch interpretiert. Betroffene gelten als Einzelgänger oder werden als hochnäsig und arrogant verkannt. Selten wird dahinter der Leidensdruck des Alleinseins bemerkt.
Doch auch Menschen mit Kontaktängsten sehnen sich nach Bekannten, Freundinnen und Freunden, Partnerschaft oder einer Familie - aber ihr eigener Konflikt und die innere Angst vor Ablehnung treiben sie immer weiter in die Isolation. Dies ist ein Teufelskreis, der zu psychischer Belastung, Depression und Arbeitslosigkeit führen kann.
In der heutigen Zeit, in der materielle Werte und Durchsetzungsstärke im Mittelpunkt zu stehen scheinen, können sich soziale Ängste zu einem bedrohlichen Problem entwickeln. Wird nicht rechtzeitig Hilfe gesucht, können aufwändigere Hilfsformen wie Psychotherapie oder Medikamente notwendig werden. Ein besonderes Problem bei sozialen Ängsten ist, dass diese auch gegenüber Hilfsangeboten bestehen. Schüchterne Patientinnen und Patienten müssen auf dem Weg zu Therapien oft ihre eigenen Widerstände überwinden. Das Problem steht damit seiner eigenen Lösung im Weg.

Niedrigschwellige Hilfsangebote schaffen

Diesen Menschen möchte der intakt e.V. einen Ausweg bieten. Er unterstützt niedrigschwellige Hilfsangebote, die Interessierten einen leichteren Einstieg ermöglichen. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich in angstfreier Atmosphäre mit ebenfalls Schüchternen auszutauschen, ohne Druck voneinander zu lernen und einen ersten Schritt aus der inneren Leere zu wagen. Sie helfen auf zwei Arten: Erstens können in vertraulicher Atmosphäre die eigenen Probleme angesprochen werden und in der Gruppe zu Lösungen führen. Zweitens finden Betroffene in der Gruppe verständnisvolle Mitmenschen und können einen Freundeskreis aufbauen.

Selbsthilfe und Vernetzung als Angebote

Den Aufbau einer Selbsthilfegruppe, der für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl eine oft zu hohe Hürde darstellt, unterstützt der intakt e.V. mit Gründungsberatung und -unterstützung. In Städten ohne Gruppe initiiert der Verein auch Gruppen selbst. Betroffene, die nicht den Mut zum Gruppenbesuch finden, können ebenfalls vom Verein Hilfe bekommen.
Die Vernetzung der bestehenden Gruppen ist der zweite Bereich. Durch regelmäßige Selbstbewusstseinskurse und Freizeittreffen entsteht ein Austausch zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen. Kann in der eigenen Selbsthilfegruppe einem Wunsch z. B. nach Kontakt zu gleichaltrigen Mitbetroffenen nicht entsprochen werden, so hilft der Austausch mit einer anderen Gruppe weiter. So stabilisieren sich die Gruppen gegenseitig.
Das dritte wichtige Handlungsfeld beinhaltet die Öffentlichkeitsarbeit. Der Verein publiziert das Thema stellvertretend für die vielen mutlosen Betroffenen und erreicht so viele zurückgezogene Menschen. In allen diesen Bereichen hat der Verein Erfolge erzielt und strebt ein flächendeckendes Hilfsnetzwerk für sozial Ängstliche an.

Julian Kurzidim, intakt e.V.,
Melanchthonstraße 2, 38118 Braunschweig,
Tel.: (05 31) 3 49 65 18,
Internet: www.schuechterne.org

Zurück zur Presseseite



Diese Seite wurde automatisch erstellt mit JULIAN'S MACHSEIT Perlscript
zuletzt am 07.04.2020 um 06 Uhr 44