Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief Februar 2012

Inhalt:
   - "Der ängstliche Panther" in den Medien
   - Theaterprojekt
   - Ehrung für Dennis Riehle
   - Neujahrsempfang der Landesregierung
   - Willkommen in der Welt der Stille
   - "Sag nicht Basmirck, wenn du ..."
   - EURE Ideen gegen Mobbing - zweite Runde


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Unser (Euer!) Buch in den Medien

Das Buch "Der ängstliche Panther" ist gut angenommen worden. Es hat für unsere Lösungen geworben, hat eingeschlafene Freundschaften wieder geweckt und wird sich hoffentlich ab 2013 für alle Beteiligten*1 auch finanziell auszahlen. Es ist über unsere Pressemitteilungen auch in die folgenden Medien gekommen, die wir hier vorstellen möchten.
Wir bedanken uns bei:

Parität-Report Niedersachsen (4/2011)
Die Mitgliederzeitschrift des Paritätischen Verbands Niedersachsen stellte uns eine ganze Seite incl. Titelbild zur Verfügung.

NAKOS-Info (Nr. 107)
Dies ist die Fachzeitschrift der deutschen Selbsthilfeunterstützung*2. Hier erhielten wir eine Viertelseite mit kleinem Text und Titelbild. Es ist allerdings fraglich, auf welchem Weg unsere Pressemitteilung bei der NAKOS ankam - als Quelle ist der "Newsletter Aktive Bürgerschaft" angegeben, der einer Volksbank-Stiftung gehört. Ob diese uns ebenfalls beworben hat, wissen wir nicht.

Deutsche Angst-Zeitschrift (Nr. 56)
Die Zeitschrift der Deutschen Angst-Selbsthilfe DASH, deren Themen eine Verbindung zwischen professioneller und Selbst-Hilfe als Grundthema bieten, hat unserem Buch eine Viertelseite mit Titelbild gewidmet.

VFP-Newsletter (Nov. 2011)
Der Verband freier Psychotherapeuten ließ in seinem Rundmail eine kurze Beschreibung unseres Buches als sechsten von acht kurzen Punkten seinen knapp 7000 Mitgliedern zugehen.

Psychologie heute (1/2012)
Hier bekamen wir zwar nur eine kleine Erwähnung auf einer Seite "Neu erschienen", auf der insgesamt 47 Buchtitel (meist Fachbücher) mit Verlag und Preis genannt werden. 5x2 cm pro Buch - aber das reichte. Ein Herr aus Norddeutschland rief uns an, um sich in die nächste Gruppe vermitteln zu lassen. Er hatte unser Buch gekauft, nachdem er die kleine Notiz gelesen hatte.

Natürlich steht es auch bei Amazon, wo es bereits von etwa 60 Buchhändlern neu oder gebraucht angeboten wird. US-Bürger können es im amerikanischen Amazon für 18,44$ kaufen. Was noch fehlt, ist eine Rezension im deutschen Amazon. Die können und wollen wir natürlich nicht selbst schreiben.

Der Verein hat bisher 48 Stück direkt und 3 über den Guten-Morgen-Buchladen Braunschweig verkauft. Die Verkaufszahlen über Buchhandel und Verlag erhalten wir im März.
Vom 15.-18.3. findet die Leipziger Buchmesse statt. Das Buch wird auch dort am Stand des Projekte-Verlags zu haben sein, wir organisieren gerade einen Besuch dort.

Julian / Braunschweig

*1 d.h. alle, die nicht in ihren Verträgen angekreuzt hatten, zugunsten des Vereins auf ihren Anteil am Verlagshonorar zu verzichten.
*2 NAKOS = Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen




Theaterprojekt 2011 - und 2012

Wir von der Selbsthilfegruppe Sozialphobie Göttingen sind durch den Intakt-Rundbrief vom 1.4.2011 auf einen Theaterkurs für Schüchterne aufmerksam geworden, Kursleitung: Gabriele Klingebiel.
Nach anfänglicher Zurückhaltung konnten wir uns schnell auf kleine Szenen, Improvisationen und Stimm- und Körperübungen gut einlassen. Das Vertrauen in der Gruppe ist gewachsen und wir waren erstaunt, wie viel Talent zum Schauspielen in uns steckt. Gabriele hat uns durch ihre offene, rücksichtsvolle Art ermutigt unsere Ängste zu überwinden.
Wir möchten uns bei ihr für diese neue Selbsterfahrung bedanken und können den Theaterkurs anderen Gruppen sehr empfehlen.

Die Göttinger Selbsthilfegruppe Sozialphobie


Ich bin Gabriele, ich bin schüchtern und war lange in der Selbsthilfegruppe Wolfsburg. Zur Zeit mache ich eine Ausbildung zur Theaterpädagogin und spiele seit zwei Jahren selbst Theater (siehe auch der Rundbrief vom Oktober 2011). Seitdem hat sich für mich vieles zum Positiven verändert, das Schauspiel hat mich selbstbewusster gemacht.
Nun möchte ich mein Projekt "Mehr Selbstbewusstsein durch Theaterspiel" erweitern. Ich möchte ein Stück schreiben und dieses auch aufführen. Damit ich ein Stück schreiben kann, brauche ich Eure Hilfe. Ich möchte deshalb einen Aufruf starten, und zwar möchte ich, dass Ihr mir Eure Glaubenssätze (positive und negative) schreibt, z.B. "Ich bin uninteressant für andere".
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt.

Gabriele Klingebiel
gabriele.klingebiel1(ä)web.de

P.S.: Mein Seminar wie in Göttingen biete ich weiterhin auch anderen Gruppen an.




Ehrung für Dennis Riehle
Stadt Konstanz würdigt bürgerschaftliches Engagement


Anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamtes hat die Stadt Konstanz Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgezeichnet, die sich für das Gemeinwohl einbringen. In einer festlichen Veranstaltung am 07. Dezember 2012 im Ratssaal des Konstanzer Rathauses überreichte Oberbürgermeister Horst Frank Urkunden an Personen, die repräsentativ für insgesamt neun Initiativen und Organisationen ausgewählt wurden.

Unter anderem erhielt auch Dennis Riehle eine Bestätigung für sein ehrenamtliches Wirken. Er ist nicht nur in der Stadt Konstanz, sondern auch im Landkreis tätig, unter anderem im Bürgerschaftlichen Engagement und im Selbsthilfenetzwerk KOMMIT, dort als Sprecherrat und Selbsthilfegruppenleiter. Außerdem ist er zweiter Vorsitzender des intakt e.V.

Riehle wurde für seine "bürgerschaftliche Mitarbeit, eigenständige Hilfe, Gemeinschaftssinn und Solidarität" ausgezeichnet, die als "bedeutende sozial-integrative Faktoren und unverzichtbare Elemente einer humanen Gesellschaft in einer lebendigen Demokratie" in Form des "vorbildlichen ehrenamtlichen Engagements" den "Dank und die Anerkennung" zum Tragen kommen.

Dennis Riehle durfte neben den anderen Geehrten einen Abend genießen, der durch eine beeindruckende Vorführung des "Tango Club Konstanz" und einen inhaltsreichen Vortrag des Jugendreferenten im katholischen Dekanat Hegau umrahmt wurde. Im anschließenden Empfang hatten die Gewürdigten die Möglichkeit, untereinander ins Gespräch zu kommen.




Eindrücke vom Neujahrsempfang der Landesregierung
Würdigung auch für Ehrenamtliche aus der Region Konstanz


Die baden-württembergische Landesregierung aus SPD und "Grünen" hat am 14. Januar 2012 rund 800 ausgewählte Gäste zu ihrem Neujahrsempfang ins Neue Schloss nach Stuttgart geladen. Besonderes Augenmerk legte das Kabinett des Ministerpräsidenten dabei auf die Würdigung von Ehrenamtlichen. Auch aus der Region Konstanz hatte das Staatsministerium Menschen bestimmt, die sich seit Jahren im Bürgerschaftlichen Engagement verdient gemacht hatten.

Und so nahm auch beispielsweise Dennis Riehle, der sich seit Jahren unter anderem in der Selbsthilfe einbringt, die Einladung gerne an, um im Jubiläumsjahr - 60 Jahre Baden-Württemberg - die Feierlichkeiten rund um den Marmorsaal zu besuchen. Neben zahlreichen Darbietungen von Künstlergruppen stand die Neujahrsansprache von Winfried Kretschmann im Mittelpunkt. Umringt von seinen Ministern bezeichnete er die Ehrenamtlichen im Land als "Kitt der Gesellschaft". Sie trügen dazu bei, dass Zusammenhalt gelebt werde. Neben den Engagierten aus dem sozialen Bereich waren vor allem kirchliche Würdenträger der Diözesen und Landeskirchen, Wirtschaftsvertreter, Funktionäre aus Verbänden und Politiker anwesend.

Die Ehrenamtlichen kamen insbesondere aus dem sozialen Engagement. Kretschmann erwähnte in seinen Worten ausdrücklich die Selbsthilfearbeit als tragendes Element. Baden-Württemberg sei nicht nur führend, was das Bürgerschaftliche Engagieren in der Bundesrepublik angehe; auch die Bereitschaft, dadurch Solidarität zu zeigen und die Gesellschaft durch das zu ergänzen, was Politik und Verwaltung nicht leisten und beschließen könnten, wären kennzeichnend für die ehrenamtliche Landschaft Baden-Württembergs. Die Gelegenheit des Neujahresempfangs solle den Engagierten die Möglichkeit eröffnen, direkt mit den Ministern und politischen Verantwortlichen des Landes über ihre Anliegen und Fragen ins Gespräch zu kommen. Kretschmann lud ein, die Jubiläumsfeier als Beginn des Bürgerdialoges zu betrachten, mit dem die Chance geschaffen werde, ehrenamtliches Engagement als Teil der Zivilgesellschaft durch Respekt, Anerkennung und Anhörung zu würdigen und ihm entsprechend Raum zur Entfaltung und die größtmögliche Unterstützung zu bieten. Kretschmann dankte allen, die den persönlichen Einladungen gefolgt seien, und freute sich über den Austausch. Er wünschte abschließend den Anwesenden samt Angehörigen ein gesegnetes, erfolgreiches und gesundes Neues Jahr.

Ein weiterer Höhepunkt war nach Kaffee-, Sekt- und "Finger-Food"-Empfang der Anschnitt der "Baden-Württemberg"-Torte durch den Ministerpräsidenten: Eine große, mit einem Marzipan-Bild des Landes überzogene Schwarzwälder-Kirsch-Torte, von der auch die Abordnung aus der Region Konstanz das passende Stück mit der Stadt "Singen" eingezeichnet von der Gattin des Ministerpräsidenten überreicht bekam. Mit ihr fanden anschließend auch erste kurze Gespräche statt.
Im weiteren Verlauf besuchte auch Innenminister Gall, Verkehrsminister Hermann, Sozialministerin Altpeter sowie der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft und Finanzen, Schmid, zu einem kurzen Meinungsaustausch mit dem Ehrenamtlichen aus Konstanz im runden Saal des Neuen Schlosses Stuttgart.

Abschließend machte sich ebenso Ministerpräsident Kretschmann auf den Weg zum Engagierten. In einem kleinen Plausch mit Dennis Riehle dankte er persönlich für das herausragende, vorbildliche und langjährige Engagement und wünschte ihm ein gesundes Jahr 2012, das weiterhin von Erfolg für sein Ehrenamt geprägt sein möge. Eine seiner Referentinnen sicherte Dennis Riehle auch einen Termin bei der neuen Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerengagement zu, die Kretschmann als "ehrenamtliche Ministerin" berufen hat.




Willkommen in der Welt der Stille
Das Leben mit Sozialer Phobie


Für Sozialphobie-Betroffene ist der Umgang mit anderen Menschen eine harte Nuss. Jedoch verstehen viele Leute ihre Verhalten und Ängste nicht, als Folge werden sie im Sozialleben oft ausgeschlossen. Laut einer aktuellen Studie leiden 13% der Jugendlichen in Deutschland unter Sozialer Phobie.

Von Lidya Ama
Studentin der Journalistik an der Hochschule Hannover

Es ist um 12.00 Uhr Mitternacht. Sebastian (25) sitzt noch an seinem Laptop, wach und begeistert. Der Windows Live Messenger ist eines seiner beliebtesten Kommunikationsmittel. Er tippt vorsichtig auf der Tastatur, seine blauen Augen starren froh den Bildschirm an, als ein Mädchen ihn zurück grüßt. Sebastian verbringt seine Freizeit oft beim Chatten, weil es ihm schwerfällt, direkt mit fremden Leuten zu sprechen. Er wirkt schüchtern und zurückhaltend. Nicht selten wurde ihm vorgeworfen, dass er arrogant sei. Tatsächlich leidet Sebastian schon lange unter Sozialer Phobie.
Soziale Phobie ist eine übertriebene Angststörung, wobei die Betroffenen Hemmungen im Umgang mit anderen Menschen haben. Manche fühlen sich geringwertig und scheu. Für andere ist es schwer beispielsweise ein Restaurant zu besuchen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder eine mündliche Prüfung abzulegen, da sie fürchten, beobachtet und zugleich negativ beurteilt zu werden. Laut einer repräsentativen Studie der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität in Frankfurt sind 13% der Jugendlichen in Deutschland von Sozialer Phobie betroffen, wobei Mädchen mit 59% stärker vertreten waren als Jungen. Die meisten sind in der Gruppe der Heranwachsenden zwischen 14 und 20 Jahren zu finden. Die Studie zeigt, dass solche sozialen Ängste es den Betroffenen erschweren, Freundschaften aufzubauen, und auch ihren beruflichen Erfolg beeinträchtigen können.
Die Ursachen für die Entwicklung von sozialen Ängsten sind verschieden. Laut dem Internisten Dr. med. Thomas Meyer begünstigen die Einflüsse in der frühen Kindheit sowie Prägungen durch die Familie eine Soziale Phobie. Kinder, die nicht genügend Liebe bekamen, entwickeln meistens ein geringes Selbstwertgefühl und sind sehr verunsichert. Dr. Meyer ist kein ausgebildeter Psychotherapeut, betreibt aber Psychosomatik und schrieb Bücher über die Zauberwiesentherapie, die auch bei Angst, Sucht und Depressionen helfen kann. Im Fall von Sebastian lösen seine traumatischen Erlebnisse die sozialen Ängste aus. Er wurde oft in der Schule gemobbt, weil er sich für anderes interessierte als die anderen Jungen. Während sich seine Mitschüler über Sport und Spiele unterhielten, las Sebastian lieber Bücher und schaute wissenschaftliche Sendungen. Seitdem saß er häufig nur alleine und schwieg. "Die Kinder waren grausam. Ich habe mich wie ein Depp gefühlt. Ich bin oft weggelaufen und habe auch teilweise immer meine Jacke getragen, auch im Unterricht, damit ich so schnell wie möglich den Raum verlassen kann", erzählt Sebastian verärgert.
Einige Symptome, die durch diese soziale Angst entstehen können, sind unter anderem Erröten, Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Sprechhemmung, Schwindelgefühle und Durchfall. "Es kann auch zu Panikattacken führen. Ansonsten Schlaflosigkeit, Depressionen und Flucht", fügt Dr. Meyer hinzu. Diese Symptome schränken automatisch die Handlungen der Betroffenen ein. Normalerweise zitterte Sebastian an der Tankstelle oder Post, wenn andere hinter ihm warteten. "Ich musste tief durchatmen, bis ich mich wieder beruhigte", sagt er kurz. Auch den Extremfall erlebte Sebastian schon, er hatte Angst, vor die Tür zu gehen. "Eines Tages wollte mein Vater, dass ich alleine in den Supermarkt einkaufen ging. Ich konnte nicht reingehen, weil da viele Leute waren."
Sebastians Eltern reagierten besorgt auf seinen Zustand. Sie suchten Hilfe von Therapeuten und bemühten sich, Sebastian zu ermutigen. Es gibt viele Arten von Psychotherapien, aber Verhaltenstherapie ist die am häufigsten eingesetzte Methode zur Bewältigung der Sozialen Phobie. Diese Therapie versucht, den Patienten beizubringen, mit ihrer Angst zu leben. In der Regel lernen die Patienten auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Muskelrelaxation, damit sie sich in gewissen Situationen beruhigen. Noch eine andere Therapiemethode empfiehlt Dr. Meyer, nämlich die Zauberwiesentherapie. Die Therapie arbeitet mit dem Erzählen einer Story, die zur Entlastung führt. Im Rahmen dieser Geschichte werden die Probleme genannt und beseitigt. "Diese Therapie kann man auch selber durchführen, in dem man einfach die Texte aus dem Internet anhört. Es stärkt das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, eigene Fehler liebevoll zu betrachten sowie sich selbst zu trösten", erklärt Dr. Meyer.
Obwohl Sebastian noch einige Ängste hat, verändert sich sein Leben jetzt drastisch. Seit er sich 2008 bei einem Online-Dating-Portal angemeldet hat, lernte er viele Mädchen kennen. Er ist mutig und aktiver geworden. Nun studiert er Geologie und Geschichte in China. "Ich mag mein Leben hier. Später will ich eine Chinesin heiraten", sagt er glücklich.




"Sag nicht Basmirck, wenn du Bismarck meinst!"

Mit diesem Artikel möchte und muß ich mal wieder meine Erfahrungen mit Hilflosigkeit gegenüber Stärkeren bearbeiten - und meine oft unkonventionellen Ideen in und für die Welt einbringen.

Eigentlich wollte ich schon länger zu dem Thema schreiben: "Warum ist die Werbung für schlechte Ideen so gut und die Werbung für gute Ideen so schlecht?"
Die Frage hat ihre Berechtigung. Die Bösen wissen, wie sie zu ihrem Erfolg kommen: Der Kapitalismus hüllt uns in eine rosarote Werbeblase ein. Die Gehirnwäsche in einer Sekte ist so sanft, daß man sie nicht bemerkt. Hisbollah, NPD und Salafisten versüßen ihre wahren Ziele mit Kinderfesten und Sozialberatung.
Es sind ausgerechnet die guten Ideale - Nächstenliebe, Frieden, Toleranz, Umweltschutz - in deren Namen der spitze Zeigefinger zum Einsatz kommt: DU hast gesündigt, DEIN Opa hat mitgemacht, DEINE Pizza ist ein Italiener, DEIN Konsum zerstört den Regenwald.
Da hören zuerst die Leute weg, die eigentlich dringend mal zuhören sollten. Statt dessen ist es zu nah an zweifelhaften Erziehungsmethoden: DEIN Zeugnis ist zu schlecht, was soll aus DIR mal werden?! Also nah an dem, worunter ich lange leiden mußte.

Nachdem dieser Vergleich gezeigt hat, warum mir die "Moralkeule" so sehr auf der Seele lastet, mache ich einen nur scheinbaren Themensprung: Konflikte.
Das Thema des Konflikts ist unwichtig, es kann bei jedem vorkommen (und sogar ohne ein Thema). Wichtig ist nur, da ist die Verbindung zu den oben genannten Idealen: Das Anliegen ist uns so bedeutend, daß wir darum kämpfen. Gerade unsere Herzensange-legenheiten sind uns so wichtig, daß wir sie mit allen Mitteln durchboxen würden. Zu oft mit Mitteln, die den Erfolg unmöglich machen und uns daher nur schaden. Und das geschieht auch: Beide Seiten versuchten ihre Entscheidung durchzusetzen und machen sich das gegenseitig unmöglich. Wie sieht ein solcher Streit aus? Die selben Argumente immer wiederholt, wie von der berüchtigten Gebetsmühle. Die Leute merken, daß sie an die Wand laufen, sind aber nicht in der Lage, das zu ändern. Man hört dann Aussagen wie diese: "Red ich chinesisch?", "Versteht ihr das nicht?", "Das hab ich schon X mal gesagt". Bei sowas merken die Leute selbst, daß sie sich nicht durchsetzen, können aber nicht mehr darauf eingehen.
Die Zahl, die bei X genannt wird, ist weit übertrieben. Sie sagt nichts über die tatsächlichen Mühen des Überzeugens aus, sondern über dessen Erfolglosigkeit. Mit ihr trifft eine Kampfdebatte meinen wunden Punkt, denn diese übertriebene Zahl habe ich aus der Kindheit in schlechter Erinnerung. Und schon damals habe ich einfach nachrechnen können, daß die Zahl so nicht stimmen kann.
Beleidigte Ausfälle werden gern mit Erklärungen wie "ich sag meine Meinung" umschrieben. Das kann passend sein. Aber: Will ich meine Meinung sagen oder will ich andere von meiner Meinung überzeugen? Was tu ich, wenn nur eins von beiden geht? Doch wer wütend ist, ist zu solch einer Überlegung nicht mehr in der Lage. Man merkt nicht mehr, welchen Stuß man redet.

Das ist aber noch nicht das größte Problem. Denn: Der Gegner merkt es! Und wenn er nicht selbst in Wut den Verstand abgeschaltet hat, nutzt er es aus. Er zitiert die Fehler (mit Vorliebe die dümmsten). Wer wütend an einen "Coolen" gerät, hat verloren.
Ein Beispiel: Ich hatte einmal eine Praktikums-Chefin, die bei kleinen Fehlern meinerseits "an die Decke" ging. Das führte sie mir auch eindrucksvoll vor, wenn ich es mal so umschreiben darf. Auf meine Rückfragen zur Kompromißfindung reagierte sie mit dem selben verärgerten Vortrag, nur in einem von vielen Teilsätzen wischte sie meine Ideen vom Tisch. In meinem Praktikumsbericht für die Hochschule wollte ich diese Ausfälle eigentlich detailliert schildern - merkte aber, daß es mir selbst damit nicht gut ging, es wieder aufzukochen. Ich fühlte mich wieder klein - so klein, wie ich es ihr gegenüber nicht zugegeben hätte. Also änderte ich mein Konzept und beschrieb meine Chefin mit folgenden Worten:
"Wie oben erwähnt, ist sie Diplom-Sozialarbeiterin mit therapeutischer Zusatzausbildung. Sie zeigt, wie wissenschaftlich abgesicherte Sozialarbeit aussieht. Im Bereich 'Professionelle, methodisch abgesicherte Sozialarbeit' kann man viel von ihr lernen. Im Bereich 'Konstruktiver Umgang mit eigenen Befindlichkeiten' dagegen kann sie noch einiges von mir lernen, wenn sie sich darauf einlassen würde."
Der bewertende Dozent wußte sofort, was ich meinte. Ich persönlich habe seitdem die Regel "wer beleidigt, hat den Streit verloren und will das nicht zugeben" verinnerlicht und sie hilft mir. Diese Haltung kann man lernen: Bald erkennt man "blinde Wut" instinktiv.

Allerdings ist diese Strategie des kalten Auflaufen-Lassens nicht immer geeignet. Nur, wenn man den Gegner wirklich abservieren oder ihm Grenzen aufzeigen will. Mit Freunden, Gruppenmitgliedern o.ä. muß man anders umgehen. Eine solche Situation habe ich mit einem alle respektierenden Vorschlag beruhigt: Ich habe beide Seiten gebeten, die Debatte zu unterbrechen und sich eine Woche Zeit zu nehmen - und in dieser Woche Argumente der Gegenseite zu finden. Die Pro-Seite sollte suchen, was gegen die Idee spricht, die Contra-Seite, was für die Idee spricht.
Wenn ein solches Verfahren zu "weltfriedensutopisch" klingt - ich selbst bin durch meine Lebenserfahrung in dem Punkt ebenfalls reichlich desillusioniert - dann hat sie auch einen knallhart-kapitalistischen Namen: Marktforschung. Am Anfang hatte ich von "ethisch ODER erfolgreich" geschrieben. Hier ist nun eine Möglichkeit, ethisch UND erfolgreich zu sein.

Je genauer die Ideen der "Gegen"seite bekannt sind, umso einfacher lassen sie sich verändern. Umso klarer ist, welchen Teil davon man ablehnen muß und welchen man annehmen kann. Anders gesagt: auf welchen Teil man seinen Kampf konzentrieren kann/muß und an welchen Teil man höchstens seine Kraft verschwenden würde.

Und falls man es wirklich hundert Mal gesagt hat: Was kann ich tun, wie kann ich es anders sagen - daß ich beim hundertersten Mal endlich auf "offene Ohren" stoße? An welchen Stellen ist die "Gegen"seite offen für mich, an welchen Stellen würde sie niemals "nachgeben"? Was muß ich ihr lassen, um zu bekommen, was ich will? Welchen Kompromiß kann/muß ich anbieten, um durchzusetzen, was mir wirklich wichtig ist?

Im Kompromiß steckt wiederum das gute Menschenbild mit Frieden und Respekt. An dem Punkt können wir also gute Werbung für gute Ideen machen
.
Julian / Braunschweig

P.S.1: Noch was zu meiner ersten Frage: Es wäre auch interessant, welche Gefühle aggressiv-emotionale Debatten (Sarrazin) bei Scheidungskindern auslösen - und Skandale der Sorte "alle gegen einen" (Guttenberg, Wulff) bei Mobbingopfern.
P.S.2: Ein Beispiel für meine Gedanken: Wer den Rechtsradikalismus besiegen will, muß dessen Sympathisanten abwerben. Diese Leute wollen eigentlich nicht in einem Nazisystem leben, sondern nur von unserer Gesellschaft ernstgenommen werden. Also nehmt sie ernst. Macht ihnen ein Angebot, das sie noch attraktiver finden als die rosarote Fassade der braunen Gewaltpartei.
P.S.3: Was bedeutet die Überschrift? Die ist mir eines Tages einfach so eingefallen, weil ich beruflich viel in der Bismarckstraße bin. Sie hat auch eine Fortsetzung: "Dann sag du nicht Haldebrindt, wenn du Hildebrandt meinst!" Man muß beides mit beleidigtem Tonfall aussprechen. Der Spruch sollte nur Nonsens sein. Inzwischen denk ich aber, daß ich dadurch unbewußt meine Hilflosigkeits-Erfahrungen verarbeiten wollte: Der übermächtige Erzieher-Wutbürger wird zur Lachnummer, wenn man ihm Nonsens in den Mund legt.




EURE Ideen - 30 Euro zu gewinnen

Leider sind auf unser Preisausschreiben "EURE Ideen gegen Mobbing" nur zwei Beiträge eingegangen. Die Einsendefrist ist am 31.1. abgelaufen. Daher möchten wir den dritten Preis (30 EUR) neu ausschreiben - diesmal Mitglieder von Selbsthilfegruppen, andere Mobbing-Erfahrene usw. zur Teilnahme aufrufen. Schreibt einen Text zu einem Thema wie diesem:

- Was könnt ihr dagegen tun, Mobbingopfer zu werden?
- Wenn es sein muß: auch ohne große Brüder, Freunde, Vertrauenslehrer und andere Personen, die im Ernstfall erst dazugeholt werden müssen (und oft nicht da sind)?
- Wie vermeidet ihr Anpassung an die Mobber und ihre Mitläufer?
- Wie bekommt ihr die "schweigende Mehrheit" oder die Mitläufer auf eure Seite?
- Wie macht ihr trotz Mobbingproblemen einen guten Eindruck auf andere?

Eure Ideen müssen nicht dem entsprechen, was normalerweise als Anti-Mobbing-Maßnahme gilt. Sie müssen auch nicht einem Vertrauenslehrer oder Psychologen gefallen. Im Gegenteil, vielleicht habt ihr eine Idee, die vorher noch niemand hatte (oder zu sagen wagte).

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eure Texte sollten eine halbe bis eine A4-Seite lang sein und müssen bis zum 10.3.2012 hier eingegangen sein:
Dennis Riehle (2. Vors. des intakt e.V.), Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
oder per Mail: preisausschreiben(ä)schuechterne.org
Unsere Jury besteht nur aus Menschen mit eigenen Mobbingerfahrungen.

Viel Erfolg!



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zuletzt am 12.10.2017 um 17 Uhr 33